Von verschwundenen Dörfern und kostbarem Nass im Naturschutzgebiet
Die Pegnitzaue zwischen Ranna und Michelfeld im „Dreieck“ der Landkreise Bayreuth, Amberg-Sulzbach und Nürnberger Land zeigt sich heute als kleines Paradies. Blühende Wiesen, sanfte, grüne Hügel und Streuobstbäume ziehen zahlreiche Spaziergänger und Radler an. Es wirkt, als sei hier nie etwas anderes zu hören gewesen als Vogelgezwitscher und die nahe Eisenbahn. Das einzige Zeichen menschlicher Besiedlung stellen eine kleine Kapelle am Waldrand und ein Gedenkstein dar. Und doch standen an dem idyllischen Fleck bis vor wenigen Jahren 28 Häuser. Deren Bewohner bestellten die Felder, zogen ihre Kinder groß und saßen in den Wirtshäusern gesellig beisammen.


Wissenswertes zu den verlassenen Dörfern am Veldensteiner Forst
Fischstein
- 1326 erstmals erwähntes und in den Jahren 1960 bis 1991 aufgelöstes Dorf sowie Eisenhammer
- letztes verbliebenes Gebäude ist die Antoniuskapelle, der ehemalige Mittelpunkt des Ortes
- wenige Steinreste und ein Gedenkstein erinnern an den besonderen Ort
Rauhenstein
- 1243 als Sitz des Ritters Vavelin von Ruinstein urkundlich erstmals erwähnt
- ab dem 15. Jahrhundert als Eisenhammer genutzt; im 30-jährigen Krieg sowie im Spanischen Erbfolgekrieg zerstört und wiederaufgebaut
- ab 1970 Ablösung der zwölf vorhandenen Anwesen im Wasserschutzgebiet und Abbruch
Ober- und Unterbrand
- ca. 1450 gegründete ehemalige Ortsteile des Marktes Neuhaus an der Pegnitz
- alle Anwesen zwischen 1960 und 1975 abgebrochen
- Gedenkstein im einstigen Oberbrand in der Nähe des Naturdenkmals Karsthöhle Eulenloch und des Hasensees




Die alten Eisenhämmer Fischstein und Rauhenstein
Die Gegend um Auerbach und Sulzbach-Rosenberg verfügt über reiche Erzvorkommen; dieser Teil der Oberpfalz wurde auch das „Ruhrgebiet des Mittelalters“ genannt. Als die Menschen im 13. Jahrhundert daran gingen, Wasserkraft für die Gewinnung und Verarbeitung von Eisen zu nutzen, erlebte die Region einen Aufschwung. Am Flusslauf der Pegnitz entstanden mehrere Hammerwerke. In den Orten Fischstein sowie Rauhenstein befanden sich zwei davon. Nach und nach siedelten sich neben den Arbeitern der Eisenhämmer und deren Angehörigen Landwirte mit ihren Familien aus der Umgebung an. Aus den Weilern wurden blühende Dorfgemeinschaften. Gastwirtschaften entstanden, schließlich musste der Durst der schwitzenden Hammerschmiede gelöscht werden!
Viel Wissenswertes sowie unterhaltsame Details über die Geschichte der Orte und der Region erfahren Interessierte auf den liebevollen Seiten des Auerbacher Heimatkundlers Rudolf Weber „Fischstein – einst Dorf und Eisenhammer an der Pegnitz“. ... ein absolutes "Highlight" ... Vielen Dank für die alten Fotos von Fischstein auf unserer Seite!


Wasser für die Großstadt
Die sieben sprudelnden Quellen im heutigen Naturschutzgebiet wurden den Dörfern Rauhenstein, Ober-und Unterbrand sowie Fischstein schließlich zum Verhängnis.
Die Orte lagen in der inneren Schutzzone des heutigen Wasserschutzgebietes. Zwischen 1960 und 1991 erfolgte nach und nach der Abbruch der Anwesen. Der Wasserversorger, die heutige „E-nergie“ bemühte sich um Frieden und Konsens Die Dorfbewohner erhielten neue Häuser und Wohnungen, sie wurden auch finanziell abgefunden. Und doch verloren sie ihre Heimat sowie die jahrelang gewachsenen Strukturen der Gemeinschaft. Allerdings gaben sie nicht kampflos auf.
So zogen die Wirtsleute der „Bergmannsquelle“ in Fischstein bis nach Bayreuth vor das Verwaltungsgericht ¬ vergeblich. Die Wasserversorgung der Stadt Nürnberg und damit das Wohl der Allgemeinheit bewerteten die Behörden höher.
Bis zu seinem Tod im Jahr 1991 hielt noch der allerletzte Bewohner, Franz Ziegler, die Stellung.






Mittlerweile sind viele Jahre vergangen und es wuchs buchstäblich Gras über die Ortschaften. Nach wie vor fühlen sich die noch lebenden ehemaligen Einwohner von Fischstein, Ober- und Unterbrand sowie Rauhenstein als Gemeinschaft. Alljährlich an Christi Himmelfahrt treffen sie sich an der Kapelle von Fischstein zu einer Andacht, die für alle einen bewegenden Blick zurück darstellt.
Ihr einstiger Lebensmittelpunkt wurde Teil eines beeindruckenden Naturschutzgebietes, in dem sich Flora und Fauna großen Raum zurückeroberten. Das alte Kulturland zeigt sich nur noch in wenigen Mauerresten und den langsam verwildernden Apfelbäumen. Gedenktafeln und der von den Wirtsleuten Anni und Martin Lehner gestiftete Findling erzählen von der langen Historie dieses Ortes.
Zahlreiche Wanderwege erschließen das kleine Paradies am Veldensteiner Forst, zum Beispiel die Neuhauser Erzwegschlaufe, die auch an den wunderschönen benachbarten Kammerweihern vorbeiführt. Besonders, wenn dort im Frühsommer die Seerosen blühen, ist das ein unvergessliches Erlebnis.
Vielleicht hält der Eine oder Andere bei seiner Tour kurz inne und denkt an jene, die für das kostbare Nürnberger Nass ihre Heimat aufgeben mussten.


Unser Tipp für Wanderer und Radler
Ein ausgezeichneter Startpunkt für eine Wanderung zu den verlassenen Dörfern und den Kammerweihern im Pegnitztal ist die Waldgaststätte Rußhütte in Auerbach/Opf. Alternativ bietet sich die ehemalige Dorfstelle Rauhenstein als Parkmöglichkeit an. Sie liegt wenige Hundert Meter von der Kreisstraße Auerbach/Opf. – Neuhaus/Pegnitz. (Bushaltestelle Abzweig Rauhenstein) entfernt. Natürlich gibt es auch wunderschöne Wege für Radler und Wanderer beiderseits des Flüsschens Pegnitz ab Ranna, Mosenberg, Michelfeld (ehemaliger Bahnhof) oder Neuhaus an der Pegnitz (Bahnstrecke nach Nürnberg, Bayreuth und Marktredwitz). Die Tour lohnt sich für Naturliebhaber in jedem Fall.





