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Vierzehnheiligen und der Staffelberg

Staffelberg mit Kloster Banz im Hintergrund

Unterwegs im Gottesgarten am oberen Main: Vierzehnheiligen und der Staffelberg

Die Bezeichnung Gottesgarten für die Landschaft um Bad Staffelstein bis nach Lichtenfels geht wohl auf den Heimatdichter Victor von Scheffel zurück. Sie findet sich erstmals in der dritten Strophe des von ihm Mitte des 19. Jahrhunderts verfassten Frankenlieds. Die reizvolle Ansicht des Maintals mit dem markanten Staffelberg sowie die imposanten Bauwerke von Kloster Banz und der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen inspirierten ihn vermutlich. Heute zählt die Gegend zu den beliebtesten Regionen des Naturparks Fränkische Schweiz –Frankenjura. Insbesondere an Wochenende strömen die Wanderer und Biker auf das Hochplateau mit seiner langen Geschichte und eindrucksvollen Blicken über das Obermaintal. Wer es sich leisten kann, sucht sich deshalb besser einen ruhigeren Werktag für den Besuch dieser besonders schönen Landschaft aus.

Gottesgarten
Der Gottesgarten im Obermaintal
Imposante Rundumsicht vom Plateau des Staffelbergs

Den Nothelfern gewidmet – die Basilika Vierzehnheiligen im Nordwesten der Fränkischen Schweiz

Der Überlieferung nach erschien im 15. Jahrhundert dem Schäfer des nahegelegenen Klosters Langheim das Christuskind im Kreis der vierzehn Nothelfer. Sie verlangten den Bau einer Kapelle. Wenige Tage später wurde eine schwerkranke Magd nach einem Besuch des Erscheinungsortes gesund. Als die Stätte zunehmend Wallfahrer anlockte, gaben die Zisterzienser der Forderung rasch nach. Während des Bauernkriegs und später im Dreißigjährigen Krieg wurden die dort zunächst errichtete Kapelle beziehungsweise die danach gebaute Kirche zerstört. Das heutige sakrale Gebäude entstand ab dem Jahr 1743 nach Plänen des bekannten Balthasar Neumann. Allerdings versetzte der beauftragte Bauleiter die Grundmauern entgegen der Absprache nach Osten – möglicherweise um Kosten zu sparen. Der Altar ließ sich nun nicht mehr am Ort der Erscheinung, wie für die katholische Liturgie vorgesehen, in der überkuppelten Vierung umsetzen. Deshalb steht der Gnadenaltar mit zwölf der Nothelfer bis heute im Langhaus der Basilika. Barbara und Katharina flankieren sie an beiden Seitenaltären.

Der Altarraum der Basilika Vierzehnheiligen
Rokoko
Prächtige Stuckarbeiten und Malereien im Rokoko-Stil
Weithin sichtbar - die barocke Fassade der Basilika
Der Gnadenaltar im Langhaus der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen
Auf der Westempore steht die mächtige Rieger-Orgel

Repräsentative Fassade im Barockstil und prächtiger Rokoko im Innenraum

Die imposante Fassade der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen mit den beiden hohen Türmen gilt als Antwort auf die ebenfalls weithin sichtbare Kirche von Kloster Banz. Die Basilika minor zählt als eine der schönsten des Barocks. Das Innere wirkt durch seine Struktur mit mehreren, sich überlappenden Ovalen als Grundform äußerst lebendig. Der Gnadenaltar richtet den gesamten Raum auf den Ort der Erscheinung aus. Ihn umgeben geschwungene Kommuniongitter und ein Baldachin aus sprühenden muschelförmigen Ornamenten, sogenannten Rocaillen überwölbt ihn. Die Kuppel aus fränkischem Kalkmarmor gilt als technische Meisterleistung ihrer Zeit. Die feinen Stuckarbeiten und Malereien bekannter Künstler im Geist des Rokoko kommen wegen der durch die zahlreichen Fenster einfallenden Lichts besonders gut zur Geltung. Neben der Eisenbarth-Chororgel bestimmt die mächtige Rieger-Orgel auf der Westempore den Innenraum der Basilika. Nach der Säkularisation, bei der zahlreiche Kirchschätze verloren gingen, und einem schweren Brand 1835 übernahmen Franziskaner den Wiederaufbau. Sie betreuen seit dieser Zeit die weit über Franken hinaus bekannte Wallfahrt.

Franziskanerbrunnen
Der Franziskanerbrunnen am Platz vor dem Nordportal

Eines der schönsten Geotope Bayerns: der Staffelberg über dem Maintal

… „wo der Staffelberg grüßt weit in das Tal hinaus“ heißt es im Lied der Franken. Tatsächlich ermöglicht das Hochplateau einen herrlichen Rundblick über die Fränkische Schweiz, den Steigerwald, die Haßberge und die Rhön bis in den Thüringer Wald. Wie die als „das Walberla“ bekannte Ehrenbürg südlich von Ebermannstadt und die Neubürg gehört der 539 Meter über NN hohe Staffelberg zu den geologisch interessanten Zeugenbergen. Der Name leitet sich von den deutlich sichtbaren Geländestufen her. Sie spiegeln die Erdgeschichte seit der Jurazeit wider. Erste Spuren von Siedlungen stammen aus der Jungsteinzeit um 5.000 vor Christus. Während der Latènezeit um 450 v. Chr. lag hier die keltische Schanzanlage (Oppidium) Menosgada. Reste der zweischaligen Steinmauer sind erhalten und weitere Elemente der Anlage inzwischen rekonstruiert. Zuletzt fanden Archäologen bei Ausgrabungen ein mächtiges Zangentor mit 12,50 Meter Höhe. Auch aus der Römischen Kaiserzeit gibt es zahlreiche historisch bedeutsame Funde. Dazu zählen germanischer Schmuck, Münzen und Werkzeuge aus Eisen oder Bronze. Auf dem Gipfelplateau befand sich damals eine Burganlage. Vom 6. bis ins 8. Jahrhundert gab es eine kleine Siedlung auf dem Staffelberg. Die im späten Mittelalter entstandene spätgotische Kirche zu Ehren der Heiligen Adelgunde zerstörten die Truppen während des Bauernkriegs im Jahr 1525. Der Wiederaufbau erfolgte nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1654. Sehenswert ist die jährlich in der Weihnachtszeit dort aufgestellte Krippe. In der warmen Jahreszeit bewirtschafteten und bei Wanderern sehr beliebten Staffelbergklause mit Biergarten lebten bis 1929 Eremiten.

Uralte Felsformationen auf dem Gipfelplateau des Staffelbergs
Hochfäche Staffelberg
Hochfläche des Zeugenbergs mit der Adelgundis-Kapelle
Traumhafter Blick vom Gipfel

Imposante Aussicht vom Hochplateau des Staffelbergs

Der Gipfel des Staffelbergs ist eine rund 350 mal 125 Meter große, ovale Fläche, die sich als Akropolis über dem eigentlichen Höhenrücken hinaus abhebt. Den Erhalt als Zeugenberg über dem Maintal verdankt er seiner vor Erosion geschützten Lage. Die markanten Stufen bestehen im nördlichen Bereich aus härteren Sandsteinschichten. Den Gipfelkranz bilden Gesteine aus Riffkalk beziehungsweise verkarstetem Riffdolomit aus dem Oberjura. Der gigantische Blick vom Rand der weitgehend ungesicherten Felsen mit der fränkischen Flagge obenauf gehört zu den schönsten Nordbayerns. Gegenüber liegt Kloster Banz mit seinen Doppeltürmen, im Maintal unten die Stadt Bad Staffelstein, rechter Hand Vierzehnheiligen und im Norden ragt die Veste von Coburg auf. An ausgewählten Felsen finden Kletterer ein ideal für ihren Sport geeignetes Revier.
Um den Staffelberg ranken sich zahlreiche Sagen. So hausten einst in einer Höhle die wegen ihrer Wohltaten für die Menschen – vergleichbar denen der Heinzelmännchen – bekannten Querkel. Sie verschwanden, als Ihnen geizige Bäuerinnen den gelegentlichen Griff nach den heiß begehrten Klößen in fremden Kochtöpfen verwehrten. Am Eingang der Obermain-Therme in Bad Staffelstein befindet sich ein Brunnen als Denkmal für die Wichtel.

Herrliche Wanderungen über den Staffelberg und nach Vierzehnheiligen

Eine Vielzahl von attraktiven Routen für Wanderer oder Biker führt durch den Gottesgarten am Obermain und über den Staffelberg. Wir starten unsere circa zwölf Kilometer lange Halbtagestour am zwei Kilometer von der Autobahnausfahrt Bad Staffelstein entfernten Wanderparkplatz Loffeld. Nach dem Unterqueren der Straße in Richtung Schwabthal verzichten wir zunächst auf den steilen südlichen Aufstieg zum Gipfel des Staffelbergs. Wir halten wir uns rechts in Richtung Vierzehnheiligen. Auch hier geht es beachtlich aufwärts und wir erreichen das an Wochenenden stark frequentierte Hochplateau. Mit der Markierung Jakobsweg und Frankenweg geht es auf der Ebene in Richtung Nordosten weiter. Dabei bieten sich erste schöne Ausblicke ins Obermaintal und zum Kloster Banz. Schließlich führt uns ein schmaler Pfad hinunter bis zur Basilika Vierzehnheiligen. Nach der Besichtigung genießen wir unsere Pause vor dem herrlichen Panorama am Nordportal der Wallfahrtskirche. Alternativen bietet die Gastronomie mit drei schönen Gaststätten, darunter der Brauereigasthof Trunk, den viele Wanderer als ihren ganz speziellen Nothelfer ansehen.

Wanderwege Staffelberg
Beliebte Wanderwege rund um den Staffelberg
Wanderwege Staffelberg
... die Wege führen durch eine wunderschöne Landschaft
Wegekreuz oberhalb von Romansthal
Adelgundis-Kapelle
... am Gipfelplateau mit der Adelgundis-Kapelle
Die fränkische Flagge weht hoch über dem Staffelberg

Über Romansthal hinauf zum Staffelberg

Der nächste Abschnitt führt uns auf den Pilgerweg links am 1458 gegründeten, derzeit im Umbau befindlichen Gasthof Goldener Hirsch vorbei, teilweise über Stufen, abwärts. Nach dem Queren des Schönthals folgen wir der Markierung „Hase“ aufwärts bis zum am Hang gelegenen Wanderparkplatz oberhalb des kleinen Ortes Romansthal. Auch hier gibt es lohnende Blicke über die wundervolle Landschaft und vor allem ruhige, schattige Wege. Zahlreiche Schilder weisen auf die Flora und Fauna sowie die geologischen Besonderheiten hin. Nicht ohne Anstrengung erreichen wir schließlich auf dem Frankenweg das Hochplateau und an der Adelgundiskapelle den Gipfelbereich des Staffelbergs. Die Aussicht vom höchsten Punkt des Naturschutzgebiets ist atemberaubend. Die letzte Etappe unserer Tour bringt uns auf dem südlichen Abstieg mit der Markierung Jakobsweg beziehungsweise Mai-Donau-Weg zurück zum Ausgangspunkt. Für einen angemessenen Abschluss unserer Wanderung sorgt der Brauereigasthof Staffelberg-Bräu im wenige hundert Meter entfernten Loffeld. Der schmucke Ort belohnt uns mit einem schönen Blick hinauf zum Gipfel, frischem Bier und einem ausgezeichneten Essen. …

... Einkehr im Brauereigasthof in Loffeld
typisch fränkische Gastlichkeit: der Staffelberg-Bräu

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