Sehenswert

Schloss Greifenstein in der Fränkischen Schweiz

Schloss Greifenstein

Schloss Greifenstein – sehenswertes Bauwerk und traditionsreicher Wohnsitz der Familie von Stauffenberg

Hoch über der Marktgemeinde Heiligenstadt im Leinleitertal und an der Verbindungsstraße nach Aufseß liegt das eindrucksvolle Schloss Greifenstein. Es gehört zu den absoluten Höhepunkten eines Besuches in der Fränkischen Schweiz. Neben der herrlichen Lage tragen dazu das imposante Gebäude mit seiner über Jahrhunderte erhaltenen wertvollen Ausstattung und die lange Tradition der Besitzer bei. Seit dem Jahr 1691 befindet sich Schloss Greifenstein im Eigentum der Familie von Stauffenberg. Spätestens mit dem Attentat auf Hitler am 20.Juli 1944 durch Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg erlangte der Name weltweite Berühmtheit. Doch nicht nur die Erinnerung an ihn prägt die sehenswerten Räumlichkeiten der im Rahmen von Führungen zu besichtigenden Anlage.

Schlosstor Greifenstein
Schlosstor mit dem Pulver- und Marienturm
Innenhof Schloss Greifenstein
Innenhof mit dem Brunnen

Lange Geschichte des Schlosses und der heutigen Besitzer

Wer das einst als Burg erbaute Schloss ursprünglich errichtete, lässt sich heute nicht mehr sagen. Erstmalige Erwähnung findet es im Zusammenhang mit dem aus dem Geschlecht der Schlüsselberger stammenden Eberhard de Grifenstein im Jahr 1172. Das fränkische Adelsgeschlecht und nach Ihnen, ab etwa 1347, die Herren von Streitberg besaßen es bis kurz vor dem Ende des 17. Jahrhunderts. Im Bauernkrieg 1525/26 war es zerstört und wiederaufgebaut worden. Schließlich kam das mittlerweile erneut baufällige Gebäude als Lehen zurück an die Domherren von Bamberg. Für seine Verdienste als damaliger Fürstbischof erhielt Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg das Recht, es an Blutsverwandte weiter zu übertragen. Er ließ die Burg Greifenstein in den Jahren 1691 bis 1693 restaurieren. Der bekannte Baumeister Leonhardt Dientzenhofer verwandelte sie in ein imposantes Barockschloss.

Schloss Greifenstein und das Uradelsgeschlecht derer von Stauffenberg

Der Ursprung der Familie liegt im 13. Jahrhundert. Die namensgebende Burg Stauffenberg liegt nahe Hechingen im Hohenzollernkreis. Als Mundschenken nahmen Mitglieder des Adelsgeschlechts viele Jahre zeremonielle Aufgaben bei den Grafen von Zollern wahr und erhielten den bis heute im Namen geführten Titel Schenk. Das misslungene Attentat auf Adolf Hitler verschaffte der Familie bis in unsere Generation historische Bekanntheit. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg verübte es mit einer im Aktenkoffer deponierten Bombe im sogenannten Führerbunker Wolfsschanze. Ihn und seinen Bruder Berthold richtete das nationalsozialistische Regime in dessen Folge hin. Zahlreiche Familienmitglieder kamen in Sippenhaft. Der damals 85-jährige Graf Berthold, Kommandeur eines bayerischen Ulanenregiments, starb wenige Monate nach seiner Festnahme. Von der Absicht, den Wohnsitz der Familie komplett zu zerstören, hielt die Nürnberger Gestapo den Bayreuther Gauleiter Fritz Wächtler mit Mühe ab. Sie nahm das Schloss Greifenstein bis zum Kriegsende und der Befreiung durch US-amerikanische Truppen für ihre Zwecke in Besitz.
Heute leben Christoph Schenk Graf von Stauffenberg und seine Frau Monika, eine geborene Gräfin von Waldburg-Zeil, auf der Burg. Sie bewirtschaften das Gut und den umliegenden Forstbesitz. Die in zwei Linien (in die Freiherren und die Grafen) aufgeteilte Familie mit ihren über die ganze Welt verstreuten, weit über 100 Mitgliedern trifft sich jährlich einmal.

Lindenallee Schloss Greifenstein
Die rund 500 Meter lange Lindenallee führt direkt zum Tor von Schloss Greifenstein
Wappenlöwe
Wappenlöwe an der Brücke zur Burg
Tempel der Ceres
Der Tempel der Ceres – römische Göttin der Fruchtbarkeit

Attraktive Führungen für die Besucher der ausgezeichnet erhaltenen Burganlage

Die Zufahrt zum vierflügeligen, Ost-West ausgerichteten Schloss Greifenstein beginnt am Tempel der römischen Göttin der Fruchtbarkeit, Ceres. Sie führt entlang einer herrlichen Lindenallee bis zum kleinen Besucherparkplatz direkt an der von zwei steinernen Löwen flankierten Steinbrücke über den Halsgraben. Durch das große hölzerne Tor gelangen wir zum Vorhof, der ersten Verteidigungslinie mit dem Pulverturm und dem Marienturm. Letzterer erhielt seinen Namen von einer im 19. Jahrhundert auf Schloss Greifenstein verbrachten Statue. Im dahinter liegenden herrschaftlichen Bereich befanden sich im Untergeschoss der Pferdestall, die Küche sowie Kammern für Jäger oder Gärtner. Im Rahmen einer Führung kommen die Besucher

  • zur Schlosskapelle mit Sakristei und darüber liegendem Ahnensaal an der Westfassade,
  • in den Südflügel mit den Waffenkammern und den Salons beziehungsweise Fürstenzimmern im Obergeschoss sowie
  • zum imposanten Geweihgang, Jagdzimmer, Biedermeierzimmer und in die Bibliothek.

Jeder einzelne Bereich zeugt von der Tradition und Geschichte des Schlosses. Zusätzlich bietet er faszinierende Einblicke in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben im vergangenen Jahrtausend. Ausgesprochen interessant und spannend sind die zahlreichen persönlichen Gegenstände aus der Familie von Stauffenberg. Dies reicht bis zum im alten Ofen versteckten und dort geretteten Zeitungsausschnitten aus der Weltkriegszeit. In Truhen und Schränken zeigte uns beispielsweise der auf dem Schloss lebende Verwalter eine Unmenge an uralten Schriftstücken, die auf eine Aufarbeitung warten. Zu den beeindruckenden Dokumenten gehören die historisch wie menschlich bedeutsamen Briefwechsel der Ehefrau des Hitler-Attentäters Nina von Stauffenberg. In der Bibliothek stehen rund 5.000 Werke – von handgeschriebenen Schätzen aus dem 16. Jahrhundert bis hin zur Literatur aus der Neuzeit.

Marquardsturm
Im Marquardsturm geht es über das Treppenhaus zum Obergeschoss

Liebevoll gestaltete Räume und Ausstellungen lohnen einen Besuch für Jung und Alt

Die enorme Vielfalt der Ausstellungsstücke lässt sich bei der regulär einstündigen Führung kaum erfassen. Im Jagdzimmer spielten die Damen des Hauses auf dem Flügel oder lasen ein Buch. Nicht nur die Herren erfreuten sich an der dort ausgestellten Pfeifensammlung aus Meißener Porzellan und der wunderschönen Renaissance Kommode. Kapitale Jagdtrophäen, edle Möbel aus verschiedenen Epochen und geschnitzte Türrahmen prägen den über 40 Meter langen Geweihgang. Hier lassen sich die Hochzeitspaare auf dem Weg zu dem als Standesamt genutzten Biedermeierzimmer gerne filmen oder fotografieren. Im Ahnen- und Rittersaal zieht der meisterhaft gebaute Barockschrank aus dem 17. Jahrhundert mit seinen Intarsien die Blicke auf sich. Auf dem Fußboden findet sich das fürstbischöfliche Wappen und an den Wänden reihen sich edle Fayencen-Teller aus der Manufaktur der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Wappentafeln belegen die Herkunft der adeligen Frauen, die seit 1079 bis zur heutigen Schlossherrin in die Familie von Stauffenberg einheirateten.

Waffenkammern und Schlosskapelle auf Schloss Greifenstein

In der aus drei Räumen bestehenden Waffenkammer zeigen die Schlossherren von Greifenstein die Entwicklung der Waffentechnik seit dem frühen Mittelalter. Die enorme Zahl an Ausstellungsstücken reicht von Schwertern, Lanzen und Armbrüsten über Vorderlader bis Repetierwaffen aus dem 19. Jahrhundert. Neben reich verzierten Jagdwaffen oder Kanonen stehen Kampfrüstungen mit Kettenhemden und Lederstiefeln. Geschichten aus dem Alltag der damaligen Soldaten und zeitgeschichtlich interessante Gegenstände wie die aus Bleikugeln geformten Spielwürfel bereichern den spannenden Rundgang.
Die dem Heiligen Sebastian gewidmete Schlosskapelle war lange Jahre das einzige katholische Gotteshaus im von den evangelischen Streitbergern geprägten Umland. Die Inschrift über dem Eingang „VIrtVs DeILLo eXIbat – aC sanabat oMnes Luc.6“ enthält ein sogenanntes Chronostichon. Hinter dem lateinischen Spruch „Die Kraft geht von Gott aus und heilt alles“ verbirgt sich in römischen Ziffern das Datum der Weihe, der 5.7.1691. Den 14 Stationen umfassenden Kreuzweg schuf Leonhard Gollwitzer, in Bamberger Bildhauer im 17. Jahrhundert. Im Innenhof zeugt der aus einem einzigen Dolomitfelsen gehauene Brunnen von der Wehrhaftigkeit der Anlage. Unterirdische Gänge, beispielsweise zum im Park gelegenen Eremitenhaus, dienten als Flucht- und Versorgungswege.

Inneres Tor
Zugang zum herrschaftlichen Bereich des Schlosses
Schloss Greifenstein von seinen Nebengebäuden gesehen
Schloss Greifenstein von seinen Nebengebäuden gesehen
Einstiges Tor zum Schlosspark
Einstiges Tor zum Schlosspark
Ranch Greifenstein: Pferdezucht und -pension
Ranch Greifenstein: Pferdezucht und -pension

Schlosspark und Nebengebäude

Der einst gepflegte, ursprünglich nach französischen Vorbildern angelegte Barockgarten verwildert heute zunehmend. Nur noch einzelne Gestaltungselemente lassen die Schönheit des damaligen, ab Ende des 18. Jahrhunderts im englischen Stil umgestalteten Parks erahnen. Dazu gehört das gut erhaltene barocke Gartenhaus. Der baufällige chinesische Pavillon stürzte in den 1960er Jahren ein, nachdem Unbekannte vorher Teile der Ausstattung gestohlen hatten. Zur als Ruine errichteten Gotischen Kapelle im Wald führt ein Wanderweg. Sie war mehrfach Opfer von Vandalen und Dieben. Hier gab es einst wertvolle Gemälde und eine spätgotische Madonna. Ein Bildstock erinnert an den 1690 verstorbenen Hans Wilhelm von Streitberg. Unweit davon nutzen Kletterer das einst in eine Wehranlage integrierte Felsmassiv Ulrichstein mit seinem herrlichen Panorama. Wenige Meter entfernt liegt die geheimnisvolle Femehöhle, in der alten Erzählungen zufolge früher geheime Gerichtverhandlungen stattfanden. Die Nebengebäude und Vorratsscheunen am Schloss verfallen seit einigen Jahrzehnten ebenso wie das Gärtnerhaus. Auf dem Gelände befinden sich außerdem die im Sommer bewirtschaftete Burgklause und die Greifenstein Ranch mit einer Pferdezucht und -pension. Auch wegen der wunderbaren Natur beziehungsweise Landschaft lohnen sich der Ausflug und eine Wanderung rund um Schloss Greifenstein in jedem Fall.

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