Die Fränkische Schweiz im Dritten Reich

Spuren einer dunklen Zeit – die Fränkische Schweiz im Dritten Reich

In der katholischen und kleinbäuerlich geprägten Fränkischen Schweiz fand der Nationalsozialismus anfangs – vor der Machtergreifung Adolf Hitlers – keinen besonders großen Anklang.
Doch die braune Ideologie beeinflusste nach 1933 die Region immer stärker. Dorfleben, Landwirtschaft und Erziehung wurden „gleichgeschaltet“ und wie überall blieb entweder Mitwirkung, aktiver Widerstand oder der Rückzug in eine winzige private Welt. Die jeweilige politische Einstellung spaltete Orte, ja sogar Familien und zerstörte gewachsene Strukturen.

Zunächst schien die einfache Landbevölkerung zu profitieren. Der berüchtigte „Bau der Autobahn“ ist ein gerne genanntes Beispiel, das sich hartnäckig in den Köpfen hält.
Neben der „Reichsautobahn“ die etwa als BAB 9 teilweise noch heute existiert und genutzt wird, gab es einige weitere – geplante und verwirklichte – Vorhaben aus dieser Zeit, die ihre Spuren in der Fränkischen hinterließen.

Burg Feuerstein
Einst kriegswichtiges Labor, heute Begegnungsstätte: die Burg Feuerstein

Vom Geheimlabor zur Begegnungsstätte – Burg Feuerstein

Sie wirkt wie die mittelalterliche Festung eines Rittergeschlechtes. Doch die Burg Feuerstein nahe Ebermannstadt ist lange nicht so alt und diente ganz anderen Zwecken. Errichtet 1941 und geschickt als Wehranlage beziehungsweise Lazarett getarnt, führte hier der bekannte Physiker Oskar Vierling mit seinem Mitarbeiterstab Laborversuche durch. Er entwickelte neue Waffen- und Kommunikationssysteme. Bis zu 250 Männer und Frauen beschäftigten sich bis 1945 mit Radar- und Tontechnik sowie speziellen Chiffrierverfahren. Eine Geschichte wie ein Agentenroman….
Am Kriegsende beschlagnahmte die amerikanische Armee die Burg Feuerstein. Im Jahre 1946 übernahm die Erzdiözese Bamberg das Anwesen. Auf dem bei Wanderern beliebten Hochplateau entstand eine renommierte Stätte der Begegnung und Weiterbildung für Jugendliche.

Wasservergnügen mit ernster Geschichte – der Schöngrundsee bei Pottenstein

Den idyllisch gelegenen See errichtete im Jahr 1943 die in der Nähe stationierte SS-Karstwehr unter Hans Brand. Brand war Geologe und Bergbauingenieur aus Bayreuth. Seine Leistungen für den Fremdenverkehr in Pottenstein sind unbestreitbar (dazu zählt etwa die touristische Erschließung der Teufelshöhle); seine Verstrickungen in den Nationalsozialismus – er war unter anderem Standartenführer - sind es jedoch ebenso.

Wo heute Ausflügler mit Ruder- und Tretbooten ihren Spaß haben, mussten 1943 neben den Soldaten der Karstwehr bis zu 700 Zwangsarbeiter den Weiherbach zu einem Wasserübungsplatz anstauen. Der heutige Schöngrundsee gehört zu den Attraktionen der Pottensteiner Erlebnismeile.

Teufelshöhle
…. Eingang zur Teufelshöhle ...
Schöngrundsee
... in nationalsozialistischen Zeiten entstanden: der Schöngrundsee bei Pottenstein
Richard Wagner
Richard Wagner - Büste am Bayreuther Festspielhügel
Festspielhaus
Unterhalb des Festspielhauses in Bayreuth erinnern heute zahlreiche Gedenktafeln an Mitwirkende, die zu Opfern der NS-Zeit wurden
Magerscheune
Die Magerscheune (siehe auch Beitragsbild) in Pottenstein soll eines Tages zur Gedenkstätte an die Verbrechen der NS-Zeit werden

Nicht nur der Name Fränkische Schweiz war in Gefahr – was wäre gewesen, wenn …?

Als Hitler an die Macht kam, hatte die Fränkische Schweiz bereits einen guten Ruf als Erholungs- und Ausflugsziel. Nachdem die Nazis alles ihrer Meinung nach „Undeutsche“ auszumerzen versuchten, geriet der Namensteil „Schweiz“ ins Visier. Sollte hier für ein „demokratisches“ Ausland geworben werden? Mögliche Alternativen, etwa eine „Ostmarkalb“ verwarfen die Verantwortlichen. Sie fürchteten ökonomische Nachteile durch die Umbenennung.

Bekanntermaßen war Adolf Hitler ein großer Verehrer Richard Wagners und häufig Festspielgast in Bayreuth. Bei diesen Gelegenheiten unternahm er auch mehrere Ausflüge in die Fränkische Schweiz, oftmals in Begleitung seiner Freundin Winifred Wagner. Unter anderem die Teufelshöhle und Muggendorf standen auf dem Besuchsprogramm. Hier erinnerte geraume Zeit eine „Hitler-Eiche“ an den „GröFaZ“ und die Stippvisiten.

Die Erschließung des Landes durch Fernstraßen war eines der Hauptziele der Nationalsozialisten; immer im Hinblick auf weitere Eroberungen und Feldzüge. Die Fränkische bildete da keine Ausnahme. Direkt durch einen ihrer schönsten Abschnitte, entlang von Wiesent und Püttlach sollte eine vierspurige Schnellstraße führen – unvorstellbar aus heutiger Sicht. Die Planungen für diese Trasse wurden glücklicherweise schnell wieder ad acta gelegt. Wahrscheinlich aus finanziellen Gründen gingen die Verantwortlichen auf die Suche nach Alternativen.
Noch heute befahren wir Teilstücke der jetzigen Autobahnen 9 und 70 auf damals festgelegten Routen. Viele Vorhaben im Straßen- und Wegebau ließen sich nur mit Hilfe von Zwangsarbeitern und „Arbeitsmännern“ des Reichsarbeitsdienstes „RAD“ verwirklichen. Untergebracht waren die Kräfte in Lagern; etwa nahe Ebermannstadt oder Kirchahorn. Daneben gab es auch kleinere KZ-Außenlager, z. B. in Pottenstein in der heutigen „Magerscheune“. Unsere Eltern und Großeltern wussten noch zu erzählen, wie mitfühlende Dorfbewohner den Häftlingen Brot zusteckten. Je nach Charakter schaute der Aufseher – oftmals ein Nachbar aus dem Ort – weg oder verteilte Schläge.

Der Krieg richtete in der Fränkischen Schweiz kaum massive Zerstörungen an; große Fabriken oder Rüstungsbetriebe gab es nicht.
Die kleinbäuerlichen Strukturen ermöglichten ein vergleichsweise gutes Auskommen in der Zeit danach. Hunger und Elend wie in den größeren Städten blieben die Ausnahme.
Das prägende Ereignis war natürlich der Einmarsch der amerikanischen Besatzungssoldaten. Die ersten „schwarzen“ Gesichter in den Panzern und Jeeps erschreckten die Dorfkinder jedoch nicht lange; Kaugummi und Schokolade brachen rasch das Eis.

Eine „Hochburg“ des Nationalsozialismus war sie nicht, die Fränkische Schweiz. Doch auch hier war nach 1945 nichts mehr wie vorher. Zu den überstandenen Kriegsauswirkungen kam die Aufarbeitung dieser dunklen Zeit, die in unserer aller Interesse im Gedächtnis bleiben sollte.

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