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Felsenburg Zwernitz in der Fränkischen Schweiz

Felsenburg Zwernitz

Die Felsenburg Zwernitz – mittelalterliche Wehranlage und Staffage für den Landschaftsgarten Sanspareil

Im Norden des Naturparks Fränkische Schweiz– Frankenjura, bereits im Landkreis Kulmbach, liegt die mittelalterliche Burg Zwernitz. Die erstmals im 12. Jahrhundert erwähnte Anlage thront auf rund 500 Meter Meereshöhe über dem zur Gemeinde Wonsees gehörenden Ort Sanspareil. Bis zum Bau des gleichnamigen Felsengartens im angrenzenden Buchenhain durch die Bayreuther Markgräfin Wilhelmine im Jahr 1745 trug das Dorf den Namen der Burg. In den 1960er Jahren öffnete die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen die ersten sanierten Schauräume für Besucher und Besucherinnen. Seither präsentiert sich die Burg Zwernitz von April bis Oktober als lohnenswertes Ausflugsziel für Jung und Alt. Zusammen mit dem Felsengarten Sanspareil schafft sie Familien und geschichtlich Interessierten ein besonderes Erlebnis in der Fränkischen Schweiz.

Blick vom Bergfried der Burg Zwernitz zum Buchenhain mit dem Felsengarten Sanspareil ...
.... und dem Morgenländischen Bau
Der Aufgang zur Burganlage Zwernitz
Burganlage Zwernitz
Die mittelalterliche Burganlage im Überblick
Unteres Tor - Zugang von der Vorburg zur Niederburg
Der Kapellenhof in der Niederburg

Lange und wechselhafte Geschichte der Burg Zwernitz

Der Name der Burg Zwernitz geht auf deren erste Besitzer aus dem edelfreien Geschlecht der Walpoten zurück. Sie nannten sich „de Zvernze“ und übergaben die damalige Anlage rund 100 Jahre später an die Grafen von Weimar-Orlamünde. Ab 1290 herrschten die Hohenzollern für mehr als 500 Jahre. Dabei diente die Burg Zwernitz als burggräfliches beziehungsweise markgräfliches Amt und Sitz eines Halsgerichts. Eine hier 1430 getroffene Vereinbarung zwischen dem Hussitenführer Prokop und dem späteren Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich I, verhinderte die Brandschatzung von Bamberg. Das dabei vereinbarte Lösegeld trieben die Herrscher in den unter starker Armut leidenden Gemeinden als „Hussitensteuer“ ein. Im Zweiten Markgrafenkrieg zerstörten die Truppen der Stadt Nürnberg im Jahr 1553 die Burg Zwernitz ebenso wie 1632 im Dreißigjährigen Krieg die Kroaten. Wenige Jahrzehnte später verlor sie ihre Aufgabe als Wehrbau endgültig. Dennoch ließen die herrschenden Markgrafen die Dächer erneuern und erhielten dadurch die Substanz der Gebäude.

Integration in den Landschaftsgarten Sanspareil durch Markgräfin Wilhelmine

Die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth-Brandenburg begeisterte sich Mitte des 18. Jahrhunderts für die Burg Zwernitz und den anschließenden Felsenhain. Sie gestaltete das gesamte Areal zu einem sehenswerten Landschaftsgarten um. Die Burganlage bildete die romantische Staffage bei der Inszenierung der Geschichte des Telemach, einem Helden der griechischen Mythologie. Mit dem Entstehen des Felsengartens benannte Markgraf Friedrich 1746 den Ort Zwernitz in Sanspareil (aus dem Französischen für „ohnegleichen“) um. 1810 schließlich kam Sanspareil mit der Burg Zwernitz als Besitz der Hohenzollern an Bayern. 1942 übernahm die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen die Betreuung der Anlage. Nach Ende des II. Weltkriegs diente die Burg einige Zeit als Flüchtlingsunterkunft.

Informative Schautafeln, beispielsweise zur Markgräflichen Jagd auf Burg Zwernitz
Die Geschichte der Burg Zwernitz im Überblick
Blick von Aufgang zur Hochburg auf Kapellen- und Hirschkopfbau
Jagdwaffen
Im Inneren des Bergfrieds
... Ausblick über die Fränkische Schweiz

Sehenswert renovierte Burganlage mit attraktiver Ausstattung

Die Burg Zwernitz besteht aus drei wesentlichen Bereichen: der Vor-, Nieder- und Hochburg. Ein äußerer Mauerring umschloss die Anlage mit Ausnahme der steilen Felsklippe auf der Westseite vollständig. Gegen mögliche Angriffe aus Richtung Osten schützte der mit drei Rundtürmen zusätzlich abgesicherte Zwinger. Zu sehen sind davon heute lediglich Reste der Mauer. Über das mit dem markgräflichen Wappen geschmückte Untere Tor und das Torhaus mit einem Aborterker an der südlichen Fassade gelangen Besucher in den Kapellenhof. Am Ende der ursprünglich mit einem Wehrgang versehenen Mauer der Niederburg stehen zwei Fachwerkgebäude: der Kapellenbau und der Hirschkopfbau. Der Saal des Letzteren beeindruckt mit seinen tiefen Nischenfenstern. Hier informieren Ausstellungsstücke und Tafeln über historische Zusammenhänge sowie die Architektur der Burg. Der als Bergfried bezeichnete Rundturm verbindet Niederburg, auf der das Fundament aus dem 13. Jahrhundert steht, mit der Hochburg, wo sich der Einstieg befindet. Der obere Teil des 34,5 Meter hohen Bergfrieds mit seinen 2,5 Meter dicken Mauern mit schmalen Schlitzen entstand über 500 Jahre später in der heutigen Form. Vom hölzernen Aufbau bietet sich ein wunderbarer Blick über die Fränkische Schweiz, das Bamberger Land und Fichtelgebirge bis hinüber nach Böhmen. Unterhalb des ursprünglich auf 11,5 Meter Höhe liegenden Einstiegs befand sich das Turmverließ. Der Bergfried spielte als sogenannter Wartturm im Mittelalter eine wichtige Rolle. Vor aufziehenden Gefahren warnte die Besatzung, wie die vieler Burgen in der Fränkischen Schweiz, mit entsprechenden Feuersignalen.

Ritterrüstungen und Waffen im Vorraum der Oberburg
Mobiliar und Gemälde verschaffen Einblicke in den Alltag
Mittelalterliche Ausrüstung in den Schauräumen der Burg

Im Vorraum der Hochburg stehen Rüstungen und Waffen aus mittelalterlicher Zeit. Ihm schließt sich der Waffengang mit Mörsern sowie verschiedenen Stich- und Hiebwaffen aus vergangenen Zeiten an. Eine schöne Geldtruhe aus Eisenblech stammt aus dem 17. Jahrhundert. In den weiteren Räumen präsentiert die Ausstellung zahlreiche historische Gemälde, Informationen zur Bedeutung der Jagd mit einer Reihe von Trophäen und interessante Möbelstücke. Im Osten schließt sich der möglichweise früher überdachte Schönhof mit seiner hohen Ringmauer an. Hier steht auf der weit überhängenden Klippe aus Kalkfelsen das einst als Zehntscheune genutzte Archivgebäude. Dessen Quadermauern sind wie der untere Teil des Bergfrieds spätromanischen Ursprungs.

Einen bleibenden Eindruck vom mittelalterlichen Ambiente der Burg Zwernitz hinterlässt die nordöstliche Fassade bei Verlassen der Anlage. Die Gebäude der Hochburg thronen hoch den natürlichen Felsen des schmalen Felsplateaus. Von hier aus erreichen wir in wenigen Schritten den direkt anschließenden Landschaftspark Sanspareil. Außerdem führen viele schöne Wanderwege und Radtouren durch die unweit des oberen Wiesenttals mit dem Städtchen Hollfeld gelegene Region.

Der sogenannte Schönhof mit dem Archivgebäude
Die einstige Zehntscheune thront hoch auf dem Felsplateau

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